Dienstag, 22. April 2008

Analyse: Kontroverse um Pariser Kristallschädel

Archiv: Kristallschädel | Copyright: gwa

Paris/ Frankreich - Einer von 12 bislang bekannten Kristallschädeln, die von vielen den südamerikanischen Hochkulturen zugeschrieben werden, befindet sich im Besitz des "Musée Quai Branly" in Paris. Auch er soll in einem Grab in Mittelamerika entdeckt und wurde nun von Experten untersucht. Diese kommen allerdings zu dem Ergebnis, dass der vermeintlich mysteriöse Kristallschädel aus den Alpen stammt und im 19. Jahrhunderts in Deutschland hergestellt wurde.

Bei dem "Pariser Schädel" handelt es sich um den größten von drei Kristallschädeln, die Ende des 19. Jahrhunderts von Eugène Boban, einem Sammler und Händler präkolumbianisch Artefakte angeboten wurde.

Laut den Analyse-Ergebnissen des "Centre de recherche et de restauration des musées de France" (C2RMF), die jetzt schon vor der eigentlichen vollständigen Publikation in der kommenden Woche bekannt wurden, stammt der der Quarzkristall, aus dem der "Pariser Schädel" gefertigt ist, nicht aus Mittel- oder Südamerika, sondern ist alpinischen Ursprungs. Auch die für den Schädel charakteristischen Rillen, das markante Loch, welches senkrecht durch den Schädel gebohrt wurde und die Polierspuren auf der Oberfläche verweisen - so Yves Le Fur vom C2RMF - auf die Verwendung von modernen Bohrern und Werkzeugen.

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Zugleich stimmen die französischen Experten der unter Kritikern der Mystifizierung der Kristallschädel verbreiteten Theorie zu, dass auch der jetzt analysierte Schädel wahrscheinlich im rheinland-pfälzischen Edelstein-Mekka Idar-Oberstein hergestellt wurde, dass zwischen 1867 und 1886 für ähnliche Arbeiten, die dann als Kruzifix-Ständer verwendet wurden, bekannt war. Eine solche Verwendung würde zumindest auch das senkrechte Loch im "Pariser Schädel" erklären.

Bereits vor elf Jahren kamen Experten des Londoner "British Museum" bei Untersuchungen des dort aufbewahrten und ebenfalls von Boban stammenden Kristallschädels, zu ähnlichen Ergebnissen. Für seine Fertigung seien Schleifräder verwendet worden, obwohl diese den vermeintlich präkolumbianischen Herstellern, nach gängiger Lehrmeinung, noch nicht bekannt waren. Auch hier vermutet man den Ursprung des Schädels in einer Idar-Obersteiner Edelsteinschleiferei und katalogisiert den Kristallschädel als "wahrscheinlich europäischer Herkunft, 19. Jahrhundert" und beschreibt ihn als "nicht authentisches präkolumbianisches Artefakt".

Andere Forscher und Autoren stimmen diesen Schlussfolgerungen ganz und gar nicht zu und sehen in den Kristallschädeln mystische Artefakte übersinnlicher oder gar außerirdischer Herkunft. Bislang sind 12 Kristallschädel bekannt. Drei befinden sich in Museen in den USA, England und Frankreich, während die restlichen neun in Privatbesitz sind.

Im Zentrum des Kristallschädel-Myhtos steht die Vorstellung, dass die bekannten 12 Schädel 12 bewohnte Welten repräsentieren, von welchen die Erde die jüngste sein soll. Die Schädel selbst seien einst von Bewohnern der anderen Planeten auf die Erde gebracht worden. In ihnen sei universelles Wissen gespeichert, dass durch bestimmte Rituale und Praktiken zugänglich gemacht werden könne. Ein dreizehnter und bislang verschollener Schädel, sei hier auf der Erde hergestellt worden und gemeinsam mit den anderen 12 ehemals in einer großen Pyramide in Mittelamerika aufbewahrt worden. In den darauf folgenden Jahrhunderten sei das Wissen um die Schädel mehr und mehr verloren gegangen, die Schädel sodenn verteilt und durch Ausgrabungen im 19. Jahrhundert durch Händler wie Boban in alle Welt verkauft worden. Erst wenn alle Schädel wieder vereint werden, sollen sie - so die Legende, deren Ursprung nicht exakt nachgewiesen werden kann - ihr Wissen wieder preisgeben können.

Für die Verfechter dieser Theorie stehen die bisherigen Untersuchungsergebnisse in keinem Widerspruch zu der mystischen Herkunft der Artefakte. Im Gegenteil: Gerade die Bestätigung, dass die Schädel nicht von den präkolumbianischen Kulturen hergestellt worden sein konnten und deren technologische Möglichkeiten übersteigen, wird als Hinweis für den über- bzw. außerirdischen Ursprung der Artefakte gedeutet - vorausgesetzt, ihre Herstellung ließe sich genau Datieren.

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Schlussendlich wird wohl auch die Diskussion um die Herkunft der Kristallschädel weiterhin andauern und von den unterschiedlichen Lagern kontrovers geführt werden, denn auch die Kritiker liefern mit der Idar-Oberstein-These lediglich eine Erklärungsmöglichkeit. Bislang gibt es keinen eindeutigen Beweis dafür, dass einer der diskutierten Schädel tatsächlich hier hergestellt wurde.

Für das Pariser "Musée Quai Branly" sind die Ergebnisse der eigenen Experten jedoch kein Grund, den "Pariser Schädel" im kommenden Mai nicht zu Werbezwecken offensiv zu vermarkten. Vor dem Hintergrund des neuen "Indiana Jones"-Kinostreifens, in dem das Geheimnis um die Kristallschädel eine zentrale Rolle spielt, können sich ab dem 20. Mai die Besucher anhand von im Museum verteilten Hinweisen auf die Suche nach dem Kristallschädel begeben.

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / c2rmf.fr / quaibranly.fr
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