Samstag, 7. Februar 2009

CBS: Wenn Menschen kleine Männchen sehen

Eine von fünf Aufnahmen der sog. "Cottingley Fairies" aufgenommen ab 1917. 1981 gestanden die beiden Fotografinnen Elsie Wright und Frances Griffiths vier der Aufnahmen mit Papierbildern gestellt zu haben, blieben jedoch weiterhin bei ihrer Aussage, in ihrer Kindheit Feen gesehen zu haben. | Coypright: E.Wright u. F.Griffiths

London/ England- Nachdem seine Frau vor sechs Jahren verstarb, verbringt David Stannard die meisten Abende alleine zuhause in Walton-on-Thames in der englischen Grafschaft Surrey. Eines Abends jedoch bekam er unerwarteten Besuch: Zwei Piloten und ein gerade einmal 45 Zentimeter großer Schuljunge standen plötzlich wie aus dem nichts im Zimmer. Mit derartigen, nahezu unglaublichen Erfahrungen ist David Stannard jedoch bei weitem nicht alleine. Mehr als 100.000 (!) Briten, so schätzen Experten, geht es ähnlich.

"Ich war gerade beim Fernsehen, als da die beiden Piloten der Royal Air Force plötzlich zu beiden Seiten der Fernsehers auftauchten. Der kleine Junge trug eine graue Schuluniform aus den 1950er Jahren und stand etwas verdutzt mitten im Wohnraum. Er war höchsten 45 Zentimeter groß", zitiert die "Daily Mail" in ihrem umfangreichen Artikel den 73-jährigen Rentner

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
>>> HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen <<<


Wie Stannard ergeht es mehr als 100.000 weiteren Briten und wahrscheinlich Millionen von Menschen rund um den Globus, die am neurologischen so genannten Charles-Bonnet-Syndrom (CBS) leiden und aufgrund einer chronischen Sehverschlechterung bei normalem Bewusstsein zu visuellen Trugwahrnehmungen, Halluzinationen - bevorzugt Visionen von spontanen Besuchern von oft zwergenhafter Größe - kommt, ohne dass jedoch eine akute psychiatrische Erkrankung vorliegt. Die Erscheinungen sind meist stumm und verschwinden nach rund 15 Minuten genau so spurlos, wie sie zuvor erscheinen waren.

Auch die Wände seiner Wohnung, so Stannard, wirkten an diesem Abend wie umdekoriert, und waren von einer Tapete mit Backstein-Effekt bedeckt. Am nächsten Morgen stellte sich erneut Besuch ein. Nun war es ein "feenhaariges Mädchen, dass mitten auf dem Sofa stand." Auch sie wirkte wie aus den Fünfzigern, war jedoch lebensgroß, trug einen Rock, ein pinkfarbenes Jäckchen, hatte pummelige Knie, weiße Socken und bunte Bänder in den Haaren. "Ich schaute sie eine ganze Weile an. Sie bewegte sich kaum und war dann auch schon wieder verschwunden."

Der Grund, weswegen Stannard nicht umgehend am eigenen Verstand zu zweifeln begann, war eine Diagnose einige Wochen zuvor auf CBS und der Hinweis der Ärzte, dass Derartiges passieren könne.

Die Dunkelziffer der Betroffenen, so schätzen Mediziner, liegt wahrscheinlich weitaus höher, als die bekannten Zahlen, da viele Betroffene sich gar nicht erst trauen, von ihren "Sichtungen" zu erzählen. Es wird geschätzt, dass zwischen 10 und 57 aller Menschen mit verminderter Sehschärfe ein Charles-Bonnet-Syndrom erleiden.

Bei den CBS-Halluzinationen kommt es vornehmlich zu Sichtungen undefinierter Lichterscheinungen (Phosphene), chaotischer und geometrischer Figuren (Photopsien), andauernde oder erneut erscheinende Objekte, die bereits gesehen wurden, jedoch nicht mehr im Gesichtsfeld vorhanden sind (Palinopsien) und zu Visionen komplexer Bildszenen, von Gegenständen, Gesichter oder Fantasiegestalten. Verursacht werden die Trugbilder durch den Verlust der visuellen Stimulationen, und weniger aufgrund mentaler Störungen. Bei der Mehrheit der Patienten, vergehen die Visionen nach rund 18 Monaten - Langzeituntersuchungen liegen derweil jedoch noch nicht vor.

Benannt wurde die das Syndrom nach dem Schweizer Naturwissenschaftler Charles Bonnet (1720-1793) dessen Großvater im Alter von 77 Jahren an einer Linsentrübung (Grauer Star) erkrankte, und nach einer Operation nahezu erblindete. 12 Jahre nach der Operation, im Alter von 89 Jahren kam es zu lebhaften Halluzinationen, über die er belustigt berichtete. Er sah Männer und Frauen, Kutschen und Häuser, wohl sogar eine spiegelbildliche Doppelgängerhalluzination (Heautoskopie), wobei ihm stets bewusst war, dass er halluzinierte und diese Dinge nicht existieren konnten. Später erkrankte Bonnet selbst an dem von ihm beschriebenen Syndrom.

Aus grenzwissenschaftlicher Sicht wäre es interessant zu hinterfragen, ob es sich bei allen derartigen Beobachtungen tatsächlich nur um Halluzinationen oder nicht doch um - wie auch immer geartete - Phänomene handeln könnte. Bislang ist kein diagnostizierter Fall von CBS bekannt, in dem der Patient versucht hatte, seine Sichtungen - etwa durch Foto- oder Videoaufnahmen - zu dokumentieren. Aber auch umgekehrt gilt es, entsprechende Zeugenberichte auf die Möglichkeit von CBS hin zu hinterfragen. Auch wenn es in dieser Richtung eher unwahrscheinlich ist, dass eine an stark eingeschränkter Sehfähigkeit leidende Person per Definition als "Sichtungszeuge" auftritt.

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / dailymail.co.uk / wikipedia.de

Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE