Mittwoch, 5. Dezember 2012

Archäologen finden mythologische Einhorn-Höhle in Nordkorea


Historische Darstellungen der als "Qilin" bezeichneten Einhörner der koreanischen (bzw. chinesischen) Mythologie.
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Pjönjang (Nordkorea) - Die Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur Nordkoreas über die Entdeckung der Höhle eines Einhorns aus der koreanischen Königsmythologie innerhalb der nordkoreanischen Hauptstadt hat weltweit für Medieninteresse und zahlreiche Spekulationen gesorgt. Allerdings ist der Fund, wahrscheinlich eher von historischer als von mystischer Bedeutung.

Wie die zentrale staatliche Nachrichtenagentur Nordkoreas "KCNA" berichtet, seien Archäologen vom Historischen Institut der staatlichen Akademie der Wissenschaften (DPRK) am sogenannten Moran-Hügel, nur 200 Meter vom Yongmyong-Tempel entfernt, auf den mit einem Namensstein markierten Eingang einer Höhle gestoßen. Die  Inschrift in diesem Steinquader weise die Höhle als "Einhorn-Höhle" und damit als Heimstätte eines (koreanischen) Einhorns aus, das im Chinesischen als "Qilin" bezeichnet wird und auf dem einst König Dongmyeong geritten sein soll. Dongmyeong selbst war der Gründer des Goguryeo-Reiches (277 v. Chr bis 668 n. Chr.) und damit des Vorläuferreiches des heutigen Korea.

Als "Qilin" bezeichnet die chinesische und koreanische Mythologie Wesen, die sich wohl am ehesten mit der westlichen Vorstellung von Einhörnern decken (s. Abb.). Neben dem Drachen, dem Phönix und der Schildkröte zählt das Qilin zu den "vier Wundertieren bzw. Zauberwesen". Während die Nachrichtenmeldung nur von der Entdeckung der entsprechend markierten Höhle berichteten, ist nirgends vom Fund eines Qilins selbst die Rede.


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Ganz gleich also, ob es die "Einhörner" der koreanischen Mythologie oder deren entsprechend interpretierte natürliche Vorbilder also tatsächlich gab oder nicht - die Höhle selbst dürfte wohl am ehesten als eine Art Legitimation der Legendenbildung um den historischen Monarchen und der mit seiner Person und Thronfolge einhergehenden herrschaftlichen Rangfolge einhergehen. Die Inschrift selbst, so die Pressemeldung der KCNA weiter, wurde von den Archäologen in die Zeit des Koryo(Goryeo)-Reichs (918-1392) datiert.

"Die koreanischen Geschichts- und Geografiebücher, darunter das 'Sinjungdonggukyojisungnam' aus dem 16. Jahrhundert, berichten von einem 'Einhorn', auf dem Dongmyeong geritten sein soll und dass es sich bei der Höhle um die Höhle dieses Einhorns handelt", zitiert die Nachrichtenagentur den Direktor des archäologischen Instituts der DPRK, Jo Hui Sung.


Eine weitere historische Abbildung eines Qilin. | Copyright: Public Domain

Vor diesem Hintergrund darf also auch darüber spekuliert werden, ob die Meldung über den Fund unweit des zu den wichtigsten nordkoreanischen Nationalschätzen gehörenden Yongmyong Tempels auch heute noch vom nordkoreanischen Regime als Legitimation des Führungs- und Besitzanspruchs Nordkoreas auf die gesamte koreanische Halbinsel genutzt wird. Einige Beobachter sehen aus diesem Grund sogar in der Behauptung des Fundes selbst eine Inszenierung Pjönjangs und vermuten sogar eine Manipulation des Fundes.

Tatsächlich hebt denn auch die staatliche Pressemeldung den Umstand hervor, dass "die Entdeckung der Einhorn-Höhle in Verbindung mit den Legenden um König Dongmyeong ein weiteres Mal beweise, dass Pjöngjang (die Hauptstadt Nordkoreas) auch die Hauptstadt des Alten Korea und des Königreichs Goguryeo war." Ganz offensichtlich wird der Fund der mystischen Höhle also vom Regime in Pjöngjang mit direktem Verweis auf den Gründungsmythos des koreanischen Reichs verwendet. Ähnliche Beweggründe dürften schon zum errichten des Namenssteins und einer damit einhergehenden Inanspruchnahme der Höhle geführt haben, in dem man sich direkt auf Dongmyeong berief.



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