Samstag, 5. Januar 2013

Astro-Vorschau 2013: Erdbahnkreuzer, Super-Kometen, ein gefräßiges Schwarzes Loch und fünf Finsternisse


Archiv: Der "Jahrhundertkomet" Hale-Bopp aufgenommen am 08.03.1997.
| Copyright: Sebastian Voltmer, astrophoto.de 


Saarbrücken (Deutschland) - Schon jetzt steht fest: Auch 2013 hält aus astronomischer Sicht besondere Ereignisse für Sternengucker bereit. Gleich zu Beginn des Jahres wird sich ein Asteroid bis auf den Abstand von Satellitenumlaufbahnen der Erde nähern. Zudem erwarten uns zwei mögliche Super-Kometen, von denen einer selbst bei Tage sichtbar und in der Nacht heller als der Mond werden könnte. Darüber hinaus erwarten Astrophysiker, dass das masseschwere Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße, Sagittarius A*, eine gewaltige Gaswolke verschlingen und hierbei, wenn auch nicht im sichtbaren Spektrum, ein kosmisches Feuerwerk entfachen wird. Hinzu wird es 2013 zu gleich fünf Finsternissen, zwei der Sonne und drei des Mondes kommen.

Schon am 15. Februar 2013 kommt der 45 Meter durchmessender Asteroid "2012 DA14" bis auf 28.600 Kilometer und damit nur neun Prozent der Mondentfernung an die Erde heran. Der kleine Erdbahnkreuzer passiert unseren Planeten damit dichter, als geostationäre Satelliten die Erde umkreisen, erklären Astronomen der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie (WAA, waa.at).

Erst Mitte September 2012 entdeckten die beiden russischen und weißrussischen Amateurastronomen Witali Newski und Artjom Nowitschonok einen neuen Kometen. Schon am 24. September wurde der dieser von der Internationalen Astronomischen Union (IAU) offiziell bestätigt und auf das Kürzel des International Scientific Optical Network "ISON" getauft, mit dem die Astronomen den Kometen entdeckt hatten. Zum damaligen Zeitpunkt befand sich der Komet noch weit jenseits der Jupiterbahn.


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Im November 2013 wird sich ISON dann zusehends seinem sonnennächsten Punkt annähern und wahrscheinlich noch bis Mitte Januar 2014 auch ohne Fernglas oder Teleskope am Himmel zu sehen sein. Vorausgesetzt, dass er zuvor in Sonnennähe nicht durch die hohen Temperaturen und Gezeitenkräfte zerbricht.

Wahrscheinlich handelt es sich bei ISON bzw. "C/2012 S1" um ein aus der Oortschen Wolke stammendes Objekt, das sich am 28. November 2013 der Sonne bis auf einen Abstand von rund 1,8 Millionen Kilometern und damit nur knapp einem Sonnendurchmesser nähern wird. Damit gehört der Komet zu den sogenannten Sonnenstreifern (Sungrazer) - einer Gruppe von Kometen, die der Sonne sehr nahe kommen, beziehungsweise sich sogar durch die Sonnenkorona bewegen. Auch vom Mars aus bekommen die dort aktiven Rover und Orbiter den Kometen Anfang Oktober möglicherweise zu sehen.

Timothy Spahr vom Minor Planet Center (MPC) an der Harvard University erwartet, dass ISON ein mindestens so faszinierendes Himmelsschausiel werden könnte, wie 1997 der Komet Hale-Bopp (s. Abb.o.). Mit ein Grund für die erwartete Helligkeit des Kometen ist der Umstand, dass er zum ersten Mal in das innere Sonnensystem vordringt und dadurch noch eine Vielzahl an flüchtigen Gasen mit sich führt, die andere Kometen nach bereits mehrfachen Annäherungen an die Sonne bereits verloren haben. Aus diesem Grund hoffen Wissenschaftler auch darauf, diese Bestandteile genau untersuchen zu können - handelt es sich doch noch um unverfälschtes Material aus der Zeit der Entstehung des Kometen und damit aus den Kindertagen des äußeren Sonnensystems vor rund 4,86 Milliarden Jahren.




Schon im März 2013 kommt dann ein zweiter Komet "C/2011 L4" (PANSTARRS) der Sonne etwa so nahe wie der Planet Merkur. Die geringste Distanz von der Erde, die Anfang März 2013 erreicht wird, entspricht dann etwas mehr als der Entfernung Erde-Sonne und damit einer sogenannten Astronomischen Einheit (AE).

Während ISON und PANSTARRS also im besten Fall ein faszinierendes Spektakel an den Himmel zaubern, wird ein anderes kosmisches Ereignis mit bloßem Augen gar nicht zu sehen sein. Die Rede ist von einer gewaltigen Gaswolke, von der dreifachen Erdmasse, die sich schon jetzt mit einer Geschwindigkeit von acht Millionen Kilometern pro Stunde auf das supermassereiche Schwarze Loch mit der Bezeichnung Sagittarius A* zubewegt (...wir berichteten). Wenn sie Mitte kommenden Jahres direkt auf den Lichtring aus heißem Gas trifft, der das Zentrum des derzeit noch ungewöhnlich passiven Schwarzen Lochs umgibt, erwarten Astrophysiker eine gewaltige Schockwelle, die dann mit Röntgenteleskopen beobachtet werden kann.

ESO-Podcast zur ins Schwarze Loch stürzenden Gaswolke

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Da Sagittarius A* "nur" 26.000 Lichtjahre von der Erde entfernt ist, sollte das Zusammentreffen der Wolke mit dem Schwarzen Loch den Wissenschaftlern eine bislang einmalige Gelegenheit geben, sozusagen aus nach kosmischen Maßstäben "direkter Nähe" eine derartige Masse dabei zu beobachten, wie sie in ein Schwarzes Loch stürzt. Die Beobachtungen, so berichtet "NewScientist.com", könnte somit auch wichtige Informationen dazu liefern, was vor rund 300 Jahren dazu geführt hatte, dass das Schwarze Loch deutlich heller war als heute.

Sonnenfinsternisse wird es 2013 sowohl am 10. Mai als auch am 3. November geben. Beide werden jedoch von Mitteleuropa aus jedoch nicht zu sehen sein.



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"Die ringförmige Sonnenfinsternis am 10.05.2013, welche dem Saros 138 angehört, beginnt am Morgen des 10. Mai lokaler Zeit in den Wüsten Westaustraliens", berichtet "Sonnenfinsternis.org". Die Zentralzone zieht sich dabei über nahezu unbesiedelte Regionen, kreuzt allerdings Australiens große Nord-Süd-Verbindung zwischen den Ortschaften Tennant Creek und Elliott. "Etwas später kann der Feuerring von Wollongong aus, das genau auf der Zentrallinie liegt, für 4m32s beobachtet werden. Nachdem der Südteil des Carpentaria Golfs und der dünn besiedelte Norden der Cape York Peninsula überquert sind, entschwindet der Mondschatten in den Weiten des pazifischen Ozeans. Dort berührt die Zentralzone zahlreiche Inseln, z.B. die Ostspitze Neuguineas, die Salomonen oder die Gilbert Islands. Östlich der letztgenannten Inselgruppen und etwas westlich der Datumslinie wird die maximale Verfinsterung mit 6m03s Dauer und einer Magnitude von 0,954 (entspricht einer Flächenbedeckung von 91,3%) erreicht. Nachdem der Eclipsepfad die Line Islands passiert hat, gibt es keine weitere Landberührung mehr. Die ringförmige Verfinsterung endet bei Sonnenuntergang (am 09. Mai lokaler Zeit) gut 1000 km nordöstlich der zu Französisch Polynesien gehörenden Inselgruppe Marquesas."

- Umfangreiche weitere Informationen und Abbildungen zur SoFi am 10. März 2013 finden Sie HIER


Archivbild: Totale Sonnenfinsternis am 21. Juni 2001 über Sambia.
| Copyright: Sebastian Voltmer, astrophoto.de

Zur zweiten SoFi kommt es dann am 3.November 2013. Diese beginnt vor der amerikanischen Ostküste südlich der Bermuda-Inseln als ringförmige Sonnenfinsternis. "Bereits nach einigen hundert Kilometern wird sie total, weil der Kernschatten nun die Erdoberfläche erreicht. Während die Schwarze Sonne den Atlantik überquert und die Kapverden in etwa 500 Kilometern Entfernung passiert, nimmt die Dauer der totalen Phase rasch zu. Die maximale Bedeckungsdauer mit 1m40s vor der Küste Liberias erreicht, wobei die Breite des Kernschattens nur 57.5 km beträgt. In Gabun hat der Finsternispfad erstmals Landkontakt. Er überquert dann Zentralafrika in Äquatornähe und erreicht schließlich Ostafrika. Dort endet die Sonnenfinsternis - ohne wieder ringförmig zu werden (!) - im Grenzgebiet zwischen Äthiopien und Somalia."

- Umfangreiche weitere Informationen und Abbildungen zur SoFi am 3. November 2013 finden Sie HIER
 

Zu Mondfinsternissen wird es 2013 gleich drei Mal kommen, von denen zwei auch von Mitteleuropa aus zu sehen sein werden.

Bei der ersten, einer sogenannte partielle Mondfinsternis, treten nicht einmal zwei Prozent der Mondscheibe in den Kernschatten der Erde ein, und das für lediglich 31 Minuten. "Trotzdem wird auch einem ahnungslosen Betrachter sofort auffallen, dass der Mond anders als sonst aussieht, so als ob etwas schwarze Tinte auf den Nordrand des Erdtrabanten getropft wäre", berichtet "mondfinsternis.net".

- Umfangreiche weitere Informationen und Abbildungen zur SoFi am 3. November 2013 finden Sie HIER

 

Archivbild: Die Phasen einer Mondfinsternis 2007 (Phasen rechts simuliert). | Copyright: A. Müller, grewi.de

Zu einer zweiten Mondfinsternis kommt es am 25. Mai 2013. Diese wird jedoch nirgendwo zu sehen sein, da es sich dabei um eine sogenannte Halbschattenfinsternis handelt, bei der der Mond mit lediglich 4% seines Durchmessers in den Halbschatten der Erde eintritt, weshalb dieser Vorgang nicht beobachtbar ist.



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Auch bei der dritten Verfinsterung des Mondes handelt es sich um eine Halbschattenfinsternis. "Für Mitteleuropa findet diese am frühen Morgen des 19.10.2013 unter günstigen Beobachtungsbedingungen statt, da der Mond zu dieser Zeit rund 45 Grad über dem Horizont steht. Der Mond dringt allerdings nur mit knapp 80 Prozent seines Durchmessers in den Halbschatten der Erde ein und kommt dem Kernschatten nie näher als etwa ein Viertel seines Durchmessers. Der typische Grauschleier auf dem Mond wird deshalb wohl nur sehr schwach ausfallen und vielleicht nur für wenige Minuten deutlich sichtbar werden."

- Umfangreiche weitere Informationen und Abbildungen zur SoFi am 3. November 2013 finden Sie HIER

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Quellen: minorplanetcenter.org, mondfinsternis.net, discovery.com, newscientist.com, eso.org, sonnenfinsternis.org
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